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und St. Johannes Klinik

Akademische Lehrkrankenhäuser der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg

Freitag, 26.06.2020

Bürger sind mehrheitlich gegen Klinikschließungen

Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland lehnt Krankenhausschließungen ab. Das zeigt eine von Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) beim Meinungsforschungsinstitut Forsa in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage, an der auch Vorstand Klaus Emmerich vom St. Anna Krankenhaus beteiligt war. Die Ergebnisse sind ermutigend, berichtet Emmerich. Aktuell können die deutschen Krankenhäuser mit einer sehr guten Unterstützung der Bevölkerung rechnen – diese würden wir uns auch vom Bundesgesundheitsministerium und von der Bundesregierung erhoffen.

Die Fragen waren sehr sorgfältig ausgewählt, auch Befürworter des Kliniksterbens kamen darin zur Sprache. Umso gewichtiger sind die Ergebnisse.

Frage 1: Zahlreiche Krankenhäuser in Deutschland sind in finanziellen Schwierigkeiten. Es wird unter anderem angenommen, dass einige Kliniken nicht immer ausgelastet sind und dass sie zu viele Betten bereithalten. Daher gibt es wissenschaftliche Empfehlungen, Krankenhäuser zu schließen und die Zahl der Krankenhausbetten zu verringern. Dies soll die Qualität der Krankenhausversorgung verbessern. Was meinen Sie: Ist ein Abbau von Krankenhausinfrastruktur grundsätzlich sinnvoll oder nicht sinnvoll?

88% nicht sinnvoll
9 % sinnvoll
3% weiß nicht / keine Angabe

Frage 2: Vor dem Hintergrund des angestrebten Strukturwandels bei den Krankenhäusern hat der Staat bislang auch finanzielle Anreize gesetzt, um die Schließung von Kliniken und den Abbau von Krankenhausbetten zu fördern. Im Zuge der Bewältigung der Corona-Krise wird dies nun neu diskutiert. Was meinen Sie: Finden Sie es sinnvoll, dass Krankenhausschließungen und Bettenabbau weiterhin vom Staat gefördert werden oder finden Sie das nicht sinnvoll?

85% nicht sinnvoll
12 % sinnvoll
3% weiß nicht / keine Angabe

Frage 3: Die stationäre Krankenhausversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, ist ein wesentlicher Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Auf der anderen Seite sollen Krankenhäuser mit ihren Geldeinnahmen haushalten und die Kosten gering halten. Was halten Sie für wichtiger: die Patientenversorgung oder die Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser?

96% Patientenversorgung
2% Wirtschaftlichkeit
2% weiß nicht / keine Angabe

Wie Herr Emmerich berichtet, haben die Ergebnisse der repräsentativen Forsa-Umfrage große Bedeutung. Landes- und Bundesgesundheitsminister haben bis Februar diesen Jahres permanent über zu viele Klinikbetten und vermeintlich schlechte Qualität der deutschen und insbesondere der kleinen ländlichen Krankenhäuser geklagt. Jetzt werden sie nicht müde, die hohe Krankenhausdichte und die hohe Qualität der deutschen Krankenhäuser sowie die außergewöhnlichen Erfolge in der Corona-Pandemiebekämpfung zu betonen.

Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse, wir wollen Taten sehen, so Emmerich. Bundesgesundheitsminister Spahn und die Landesgesundheitsminister sind aufgefordert jetzt Farbe zu bekennen.

Namentlich erwarten die Initiatoren der Forsa-Umfrage folgende Zusagen: Sofortiger Stopp des Kliniksterbens, sofortige Aussetzung des Strukturfonds zur finanziellen Förderung des Krankenhaussterbens, vollumfängliche Finanzierung aller Krankenhausleistungen. Krankenhäuser sind keine Wirtschaftsunternehmen. Sie erfüllen einen gesetzlichen Auftrag zur Rettung und zum Schutz menschlichen Lebens. Corona zeigt uns: Die bisherige Fallpauschalenabrechnung für Krankenhausleistungen unter Wirtschaftlichkeitsaspekten ist der völlig falsche Ansatz. Man kommt auch nicht auf die Idee, Behörden oder Schulen nach Belieben dem freien Markt auszusetzen und dann zu schließen, wenn sie nicht rentabel sind. Genau dies geschieht aber bei Krankenhäusern.

Wie soll es weiter gehen? Auch Anfrage der Redaktion bitte Herr Emmerich eindringlich, eine neue Petition zu unterzeichnen, in der umfassende Forderungen zur Reformierung des Gesundheitswesens verfasst sind. Alle oben genannten Forderungen gehören dazu. In Corona-Zeiten geht dies leider nur online. Bitte machen Sie mit.

Wir brauchen jetzt Ihre Solidarität: www.gemeingut.org/krankenhausschliessungen-stoppen

Interview

Redaktion: Im Jahr 2019 noch hat die Bertelsmann-Stiftung bundesweit 600 statt 1.925 Krankenhäuser gefordert und dies mit vermeintlich schlechter Qualität begründet. Glauben Sie, dass diese Forderungen angesichts der Corona-Pandemie aufhören werden.
Emmerich: Nein, leider nicht. Krankenhäuser wurden in der Pandemie-Zeit verpflichtet Betten für Corona-Notfälle frei zu halten. Es tauchen jetzt bereits Überlegungen von Gesundheitsökonomen auf, die geplanten und verschobenen Behandlungen hinsichtlich ihrer Berechtigung genauer zu prüfen.

Redaktion: Könnten die Gesundheitsökonomen vielleicht Recht haben. Es taucht doch immer wieder der Vorwurf auf, vieles könne man genauso gut ambulant machen.
Emmerich: Das sind definitiv Unterstellungen. Krankenhäuser sind zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet und haben im Zweifelsfall ambulante Behandlungen, falls möglich stationären vorzuziehen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen überwacht dies und kürzt ggf. die Rechnungen.

Redaktion: Bundesgesundheitsminister Spahn hat im März einen Rettungsschirm beschlossen und versprochen, Krankenhäuser würden für ihre freistehenden Betten ausreichend entschädigt. Warum stellen Sie dann in der bundesweiten Petition die Forderung einer ausreichenden Finanzierung?
Emmerich: Die Ausgleichszahlungen sind extrem komplex, bestehen bei unseren beiden Krankenhäusern aus mindestens 7 Abrechnungssystemen . Eine Umfrage der Krankenhäuser hat ergeben: 75% der Befragten rechnen mit signifikanten wirtschaftlichen Nachteilen.
Redaktion: Was wäre denn die Lösung?
Emmerich: Die Krankenhausabrechnung muss grundsätzlich reformiert werden. Was spräche – im Sinne einer vollumfänglichen Finanzierung – gegen folgende Lösung: Unterjährig erhalten di Krankenhäuser monatliche Abschlagszahlungen. Am Jahresende testiert ein Wirtschaftsprüfer die Gesamtkosten. Diese werden gegen die Abschlagszahlungen ausgeglichen.

Redaktion: Was wollen Sie damit erreichen?
Emmerich: Sicherheit der Arbeitsplätze und der stationären medizinischen Versorgung. Ich kann nur wiederholen. Wir sind kein Wirtschaftsunternehmen, wir helfen Menschen. Das Klinikpersonal hat ein Anrecht auf ausreichende finanzielle Unterstützung und Wertschätzung für ihren lebenswichtigen Dienst.

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Letzte Aktualisierung dieser Seite 06.07.2020
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